Sigmar Polke

1941 in Oels, Niederschlesien – 2010 in Köln

Gegen die zwei Supermächte − für eine rote Schweiz

Sigmar Polke, Gegen die zwei Supermächte − für eine rote Schweiz, 1976, gespritzte Schablonenmalerei auf Tageszeitungen, kaschiert, Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen, Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Das Konvolut der Kleinbürgerserie, zehn großformatige Arbeiten auf Papier, zu denen das Werk aus der Sammlung der Peter und Irene Ludwig Stiftung zählt, markiert einen Wendepunkt in Sigmar Polkes Œuvre. Wurde in den Rasterbildern der 1960er-Jahre die Wirtschaftswunderzeit ironisch analysiert, geht Polke nun zum künstlerischen Angriff auf gesellschaftliche Normen über. Zu einer Zeit, die von Hippiekultur, Punk und Terrorismus geprägt war, sucht er nach alternativen Lebensmodellen – wenngleich auch mit einem ironischen Unterton. In Gegen die zwei Supermächte − für eine rote Schweiz benutzt Polke das Foto einer Demonstration als Vorlage, auf deren Transparent der Titel des Werks zu lesen ist. Umgesetzt in Schablonentechnik sprüht er es auf Zeitungspapier, genauer gesagt auf drei Ausgaben des Züricher Tages-Anzeigers von 1976. Mit der authentischen Bildvorlage, den gesprayten Parolen und den Medien als Bildträger suggeriert Polke eine Wahrhaftigkeit der Bildaussage, die jedoch dadaistisch provokant und absurd erscheint. Lange vor dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989 nimmt Polke Stellung innerhalb einer künstlerisch geführten Diskussion zur politischen Situation um Ost und West.

AK